Nachdem funpic die Nettigkeit besitzt, mein Blog mal wieder funktionieren zu lassen, will ich die Gelegenheit ergreifen und kurz von den Süddeutschen Hengsttagen berichten, die von Donnerstag bis heute in München-Riem stattfanden.
Nachdem ich nun schon mehrmals bei der kompletten Trakehner Körung dabei war, habe ich in diesem Jahr zum ersten Mal die Körung der Süddeutschen Zuchtverbände miterlebt. Zunächst ist schon der Katalog gewöhnungsbedürftig. Der ist als Ringbuch gebunden, was beim Mitschreiben viel praktischer ist. Bei den Süddeutschen wird mehr Wert auf Informationen über die sportlichen Erfolge der Vorfahren gelegt, die im Telegrammstil wiedergegeben werden, allenfalls wird mal erwähnt, wenn eine Stute auf einer großen Landesschau o. ä. erfolgreich war. Bei den Trakehnern sind noch mehr zuchtrelevante Daten zu finden. Das finde ich grundsätzlich auch sinnvoll, denn in erster Linie ist eine Körung eine Zuchtveranstaltung, auch wenn natürlich viele Hengste danach in den Sport gehen. Bei den Trakehnern sind z. B. noch Maße und Noten der Mutter und beider Großmütter angegeben. Über die Aussagekraft dieser Noten kann man trefflich streiten, aber sie lassen zumindest eine Tendenz erkennen. Ergeben sich aus den Angaben über die Mutterlinie Auffälligkeiten (eher kleine Stuten, durchgehend sehr schlechte Fundamentnoten o. ä.), so mag der Hengst diese Eigenschaften vielleicht nicht selbst besitzen, könnte sie aber an seine Nachkommen weitergeben. Das kann die Entscheidung für oder gegen die Körung bzw. spätere Nutzung des Hengstes durchaus beeinflussen.
Die anderswo übliche Vorstellung auf dem Dreieck wurde durch anderthalb Runden Trab auf dem Oval ersetzt. Ob man damit mehr Erkenntnisse gewinnt als bei der Präsentation auf dem Dreieck, lasse ich jetzt mal dahingestellt.
Das Freilaufen wurde mit dem Freilaufen kombiniert, anders als bei den Trakehnern, die das einzeln abhandeln. Grundsätzlich ist diese Idee nicht verkehrt. In dieser Halle würde es sich allerdings empfehlen, diese Punkte zu trennen. Die an sich große Reitbahn in der Olympiareithalle wird mit Tribünen und Ständen so zugebaut, dass nur noch ein vergleichsweise kleines Viereck übrigbleibt, das durch die Sprunggasse noch weiter dezimiert wird. Die kurze Seite dieses Vierecks ist für die jungen, schon großen aber oft noch wenig ausbalancierten Hengste zu kurz, um die Wendung aus höherem Tempo zu schaffen. So müssen sie immer stoppen, wenden und können dann erst weiterlaufen. Das sieht nicht schön aus und hilft den Hengsten nicht, loszulassen und einen Rhythmus zu finden.
Die überraschendste Andersartigkeit betrifft allerdings die Verkündung der Körurteile. Bei den Trakehnern fiebert das Publikum drei Tage mit den Hengsten mit, es ist der spannendste Moment überhaupt, wenn die besten Hengste auf den Endring gehen und unser Zuchtleiter mit der nötigen Dramatik “nicht gekört” oder “gekört” verkündet. Da bricht Jubel und Applaus auf den Tribünen aus! Hier trifft die Kommission am Freitag ihre Entscheidung, am Samstag morgen kann man sich die Liste mit den gekörten Hengsten in der Meldestelle abholen. Als ich davon zum ersten Mal gehört habe, habe ich das für einen Scherz gehalten. Am Samstag vormittag werden alle Hengste noch einmal vorgestellt und das Urteil der Form halber noch mal verbal wiederholt. Überraschend ist dabei nur noch, wer es in das Lot der Prämienhengste geschafft hat und so als Siegerhengst in Frage kommt. Da gibt es höflichen Applaus für die Prämienhengste, bei den zwei, drei Publikumslieblingen wird es mal etwas lauter, aber ansonsten macht dieser Tagesordnungspunkt stimmungsmäßig nur wenig her.
Aber unabhängig davon bin ich ein bisschen stolz auf mich, dass ich viele Hengste ähnlich eingeschätzt habe wie die Kommission. Bei mir gäbe es zwar einen anderen Siegerhengst, aber mein Favorit hat trotzdem gut abgeschnitten. Ich als unbeteiligter Zuschauer muss und kann nicht dieselben Punkte in die Wertung einbeziehen wie die Kommission.
Tags: Pferde, Trakehner
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