Zur heutigen “Spring”stunde hatte ich wieder den 22jährigen Schimmel Cantor. Für die erwärmende Schritt- und Trabarbeit lagen einzelne Stangen am Boden, später ging es mit einem kleinen Kreuz aus Cavaletti zur Sache. Das Kreuz sollten wir aus dem Trab überwinden, das hat Cantor auch artig gemacht. Nach neueren Erkenntnissen ist mein Problem mit dem Springen nicht wie neulich angenommen, dass ich zu spät aufstehe, sondern dass ich mich zu zeitig, nämlich schon über dem Sprung wieder hinsetze. Richtig wäre, erst nach dem Landen wieder einzusitzen. Aber das wird schon noch.
Außerdem bin ich heute wieder fast über dem Galoppieren verzweifelt. Vor dem Springen sollte ich auf der linken Hand auf dem Zirkel angaloppieren, und das ging überhaupt nicht. Später auf der rechten Hand klappte das völlig problemlos beim ersten Versuch. Nachdem ich die Reitstunde eben innerlich ein wenig ausgewertet habe, ist mir auch klar, warum. Auf der rechten Hand habe ich eine weiche Zügelverbindung, da reichen minimale Hilfen. Auf der linken Hand habe ich als Rechtshänder ein paar Koordinationsschwierigkeiten und muss mir diese Anlehnung erst langsam zurechtreiten. Bei Springstunden wie heute habe ich die Konzentration und den Platz für solche Feinheiten nicht. Erst wenn links auch die Zügelverbindung steht, ist das Angaloppieren erfolgreich. Immerhin klappte es später noch einmal, da war es auch einfacher, weil er wach war und vorwärts wollte.
Apropos wach: Der liebe Cantor hat mir heute wieder eine Schrecksekunde beschert. Wobei das zum Teil auch meine Schuld war, weil ich seine Signale nicht richtig gedeutet habe. Vor dem Kreuz zog er im Tempo an, das hätte mir sagen müssen, dass er wach ist und ich die Gerte weglegen kann. Das habe ich aber in dem Moment nicht realisiert. Aus heiterem Himmel galoppierte er zügig an. Ich habe immerhin nur einen Bügel verloren, mich bemüht, gerade zu sitzen, den Oberkörper zu entspannen und mich nicht am Zügel festzuhalten. Schließlich saß ich einigermaßen stabil, fand die Geistesgegenwart wieder und fasste die Zügel kürzer - ein einfaches und oft effektives Mittel. Jetzt sollte ich nur noch daran arbeiten, dass mir das nicht erst nach einer langen und einer kurzen Seite einfällt. Jedenfalls ist nichts passiert, das ist das Wichtigste. Nach mehrmaligen tiefem Durchatmen war die Welt auch wieder in Ordnung. Die Zeiten, wo ich mich von solchen Mätzchen einschüchtern lasse, sind zum Glück *dreimalaufHolzklopf* vorbei, ich bin danach noch galoppiert und habe zum abschließenden Schrittreiten die Bügel überschlagen. Ich weiß allerdings gar nicht, was der Auslöser für seinen Sprint war, dass ich geklammert habe, ihn unabsichtlich mit der Gerte berührt habe oder ihn sein jugendlicher Übermut übermannt hat oder alles zusammen.
Tags: Pferde, Reiten
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